Was ist die Grounded Theory?

Die Grounded Theory wurde in den 1950er Jahren von den Sozialwissenschaftlern Barney Glaser und Anselm Strauss entwickelt. Seitdem hat sie sich in vielen Bereichen der Sozialwissenschaften etabliert, zum Beispiel in der Sozialarbeit, der Sozialpsychologie oder der Soziologie.

Grounded Theory besteht aus  vier verschiedenen Schritten:

  1. Sammlung von qualitativen Daten
  2. Kodierung und Analyse der Daten
  3. Entwicklung von Theorien und Konzepten 
  4. Überprüfung und Verifikation der Theorien

 

Für die Durchführung gibt es verschiedene Leitfäden und Anleitungen. Beispiele sind die Leitfäden von Glaser und Strauss oder die Leitfäden von Charmaz.

Die Grounded Theory ist eine wichtige Methode in der qualitativen Sozialforschung, da sie ermöglicht, Theorien und Konzepte auf der Grundlage von qualitativen Daten zu entwickeln. Darüber hinaus hilft sie dabei, die Realität des untersuchten Phänomens besser zu beschreiben. Allerdings ist es wichtig, dass man bei der Durchführung der Methode sorgfältig arbeitet und die Ergebnisse kritisch hinterfragt, um sicherzustellen, dass sie valide und zuverlässig sind.

Vor- und Nachteile der Grounded-Theory-Methode

Die Grounded Theory ist eine qualitativ-inhaltliche Analysemethode, bei der die Theorie während der Analyse aus dem Material selbst abgeleitet wird. Sie hat folgende Vorteile im Vergleich zu anderen Analysemethoden:

Die Grounded Theory hat jedoch auch einige Nachteile im Vergleich zu anderen Analysemethoden:

Was ist die theoretische Vorannahme in der Grounded Theory?

Die theoretische Vorannahme in der Grounded Theory ist eine Art „Leitfaden“ für die Analyse und Interpretation der qualitativen Daten. Er beschreibt die Annahmen und Erwartungen, die man bei der Durchführung der Grounded-Theory-Methode hat und die dazu dienen, die Analyse und Interpretation der Daten zu fokussieren.

Die theoretische Vorannahme kann verschiedene Formen annehmen und zum Beispiel auf bestimmte Theorien, Konzepte oder Perspektiven verweisen, die man bei der Analyse und Interpretation der Daten berücksichtigen möchte. Sie kann auch eine Art „Forschungsfrage“ darstellen, die man bei der Analyse und Interpretation der Daten beantworten möchte.

In der Grounded Theory ist die theoretische Vorannahme wichtig, um die Analyse und Interpretation der qualitativen Daten in den Blick zu nehmen und damit die Entwicklung von Theorien und Konzepten zu unterstützen. Allerdings ist es grundlegend, dass man bei der Formulierung der theoretischen Vorannahme kritisch bleibt und sich bewusst macht, dass sie nur eine Annahme und keine Gewissheit ist.

Wie funktioniert die Datensammlung in der Grounded Theory?

Die Datensammlung in der Grounded Theory Methode ist ein wichtiger Schritt, um die qualitativen Daten zu sammeln, die für die Analyse und Interpretation verwendet werden. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, qualitative Daten zu sammeln, die in der Grounded Theory zum Einsatz kommen. Beispiele sind:

 

Es ist wichtig, die Datensammlung gewissenhaft zu planen und die  Sammlung der qualitativen Daten sorgfältig zu dokumentieren.

Wie kodiert man in der Grounded Theory?

Die Kodierung in der Methode der Grounded Theory ist ein wichtiger Schritt, um die qualitativen Daten zu strukturieren und zu analysieren. Dabei geht es darum, die qualitativen Daten in kleinere Einheiten (Kategorien) zu unterteilen und diese nach bestimmten Kriterien zu benennen und zu beschreiben.

Die Kodierung kann auf unterschiedliche Arten erfolgen und es gibt verschiedene Tools und Verfahren, die man nutzen kann, um die Kodierung durchzuführen. Beispiele sind:

Wie funktioniert die offene Kodierung in der Grounded Theory?

Die offene Kodierung ist eine Art der Kodierung, bei der die qualitativen Daten nach bestimmten Kriterien kategorisiert werden. Dabei wird vorab festgelegt, welche Kategorien man verwendet. Die offene Kodierung ist ein iterativer Prozess, bei dem man die qualitativen Daten mehrfach durcharbeitet. Diese werden immer weiter verfeinert und ausdifferenziert, bis man die gewünschten Kategorien erhält.

Die offene Kodierung hat den Vorteil, dass man die qualitativen Daten in einer sehr frühen Phase der Analyse bereits strukturieren und kategorisieren kann. Dadurch erhält man eine gute Basis für die weitere Analyse und Interpretation. Allerdings ist die offene Kodierung auch mit einem höheren Zeitaufwand verbunden, da man die qualitativen Daten mehrfach durcharbeiten muss, um die gewünschten Kategorien zu erhalten.

Es ist wichtig, dass man bei der offenen Kodierung in der Grounded-Theory-Methode sorgfältig arbeitet. Auch sollte darauf geachtet werden, dass die Kategorien sinnvoll und zweckmäßig sind und dass sie die Realität des untersuchten Phänomens möglichst gut widerspiegeln.

Wie funktioniert die axiale Kodierung in der Grounded Theory?

Bei der axialen Kodierung werden die qualitativen Daten nach bestimmten Kriterien kategorisiert und dann in Beziehung zueinander gesetzt. Ziel ist es, die Beziehungen zwischen den Kategorien zu analysieren und offenzulegen, wie sie zusammenhängen und wie sie sich gegenseitig beeinflussen.

Die axiale Kodierung in der Grounded-Theory-Methode dient dazu, die Struktur und Logik der qualitativen Daten zu erkennen. Die Beziehungen zwischen den Kategorien müssen sorgfältig analysiert werden. Außerdem muss darauf geachtet werden, dass sie sinnvoll und zweckmäßig sind. Darüber hinaus sollen sie die Realität des untersuchten Phänomens möglichst genau wiederspiegeln.

Wie funktioniert die selektive Kodierung in der Grounded Theory?

Die selektive Kodierung in der Grounded-Theory-Methode ist eine Art der Kodierung, bei der man die qualitativen Daten nach bestimmten Kriterien kategorisiert. Dabei werden nur bestimmte Kategorien für die weitere Analyse und Interpretation ausgewählt. Die selektive Kodierung ist dann sinnvoll, wenn man sich auf bestimmte Aspekte oder Themen des untersuchten Phänomens konzentrieren möchte oder bestimmte Kategorien als besonders relevant ansieht.

Die selektive Kodierung hat den Vorteil, dass man sich auf die wichtigsten Aspekte oder Themen des untersuchten Phänomens konzentrieren und damit die Analyse und Interpretation der Daten vereinfachen kann. Allerdings ist damit ein gewisses Risiko verbunden, wichtige Aspekte oder Themen zu übersehen oder zu vernachlässigen.

Auch bei der selektiven Kodierung in der Grounded-Theory-Methode ist es essentiell, gewissenhaft zu arbeiten und die Kriterien für die Kodierung präzise zu definieren. Des Weiteren sollte man darauf achten, dass man die qualitativen Daten in ihrer Gesamtheit betrachtet und nicht nur bestimmte Aspekte oder Themen berücksichtigt.

Beispiele für Fragen bei der Grounded Theory

Die Fragen, die man bei der Grounded Theory stellt, hängen von den Zielen und dem Thema der Untersuchung ab und können daher sehr unterschiedlich ausfallen. Beispiele für Fragen, die man bei der Grounded-Theory-Methode stellen kann, sehen wie folgt aus:

Wie werden die Ergebnisse der Grounded Theory dargestellt?

Die Ergebnisse werden in der Regel in Form einer schriftlichen Arbeit dargestellt, die sich aus verschiedenen Teilen zusammensetzt. Meist besteht die schriftliche Arbeit aus einer Einleitung, einem Hauptteil und einem Schluss. In der Einleitung wird das Thema und die Ziele der Untersuchung vorgestellt. Im Hauptteil werden  die Ergebnisse der Analyse und Interpretation der qualitativen Daten dargestellt. Im Schluss  in dem die Ergebnisse zusammengefasst und die Implikationen für die weitere Forschung diskutiert werden.

Die Ergebnisse werden überwiegend in Form von Theorien oder Konzepten dargestellt, die auf der Basis der qualitativen Daten entwickelt wurden. Dabei kommt es darauf an, die Ergebnisse auf eine strukturierten und systematische Art und Weise abzubilden und dabei auf die Beziehungen und Zusammenhänge zwischen den verschiedenen Kategorien und Theorien einzugehen.

Zur Darstellung der Ergebnisse können verschiedene Tools und Verfahren genutzt werden, zum Beispiel Tabellen, Grafiken, Diagramme oder Mindmaps. Es ist entscheidend, die Ergebnisse in einer verständlichen und anschaulichen Art und Weise wiederzugeben und die Implikationen für die weitere Forschung klar herauszuarbeiten.

Was ist das theoretische Sampling?

Das theoretische Sampling ist ein Verfahren in der Grounded Theory, bei dem qualitative Daten so ausgewählt und gesammelt werden, dass sie möglichst gut geeignet sind, um die Theorien oder Hypothesen zu überprüfen oder zu verfeinern.

Der Nutzen des theoretischen Samplings liegt darin, dass man gezielt Daten sammeln und auswählen kann, die für die weitere Analyse und Interpretation besonders relevant sind. Aber auch das theoretische Sampling ist mit dem Risiko verbunden, dass wichtige Punkte eventuell vernachlässigt werden.

Was sind Codes in der Grounded Theory?

In der Grounded Theory sind Codes kleinere Einheiten, in die man die qualitativen Daten unterteilt und die man nach bestimmten Kriterien benennt und beschreibt. Dabei kann man die Codes nach verschiedenen Kriterien kategorisieren, zum Beispiel nach Themen oder Schwerpunkten oder nach bestimmten Schlagworten oder Stichworten.

Die Codes in der Grounded-Theory-Methode dienen dazu, die qualitativen Daten zu strukturieren und zu analysieren und damit eine Basis für die weitere Analyse und Interpretation zu schaffen. Dabei kommt es darauf an, die Codes sinnvoll und zweckmäßig zu wählen, damit sie das Phänomen realitätsgetreu abbilden.

Brainstorming Grounded Theory  

Was sind Kategorien in der Grounded Theory?

Kategorien der Grounded Theory sind größere Einheiten, in die man die Codes zusammenfasst und die man nach bestimmten Kriterien benennt und beschreibt. 

Die Kategorien sind ein wichtiger Bestandteil in der Grounded Theory, da sie den qualitativen Daten eine Struktur geben.

Was sind Memos in der Grounded Theory?

In der Grounded Theory  sind Memos eine Art von Notizen. Diese macht man während der Analyse und Interpretation der qualitativen Daten, um die Gedanken und Ideen festzuhalten und zu strukturieren. Sie sind nützlich, um die Analyse und Interpretation der qualitativen Daten zu vereinfachen, indem man wichtige Beobachtungen, Gedanken und Ideen festhält und ordnet.

Es gibt verschiedene Arten von Memos, zum Beispiel die sogenannten „open“ Memos, die man während der offenen Kodierung notiert, und die sogenannten „focused“ Memos, die man während der axialen Kodierung festhält und die dazu dienen, die Beziehungen zwischen den verschiedenen Kategorien und Theorien zu beschreiben.

Es ist wichtig, dass man die Memos regelmäßig aktualisiert und strukturiert, damit die Interpretation der qualitativen Daten immer aktuell ist. 

Was ist die theoretische Sättigung?

Die theoretische Sättigung ist ein Konzept in der Grounded Theory, das besagt, dass man genügend Daten gesammelt hat, um die Theorien oder Konzepte, die man entwickelt hat, abzusichern. Sie wird in der Regel erreicht, wenn man keine neuen Kategorien oder Theorien mehr entwickelt und wenn man die bestehenden Kategorien und Theorien weiter verfeinern kann.

Darüber hinaus ist die theoretische Sättigung ein wichtiger Indikator dafür, dass die Theorien oder Konzepte, die man entwickelt hat, ausreichend fundiert sind. Aber auch die Kriterien der Sättigung müssen, wie alle Stufen und Bestandteile der Grounded Theory, präzise definiert und dokumentiert werden.

Außerdem muss beachtet werden, dass die theoretische Sättigung nicht immer eindeutig feststellbar ist und dass man in manchen Fällen auch weiterhin neue Daten sammeln und analysieren muss, um die Theorien oder Konzepte zu festigen.

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